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Mopri

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09.12.2007, 00:34

Internetikette

Ich habe mal selbst eine kleine Geschichte geschrieben, die – übertragen auf das reale Leben - ausdräckt, wie ich das Verhalten der Menschen im Netz sehe.

Im Schein der aufgehenden Sonne lief John alias „Joghurtbär2000“ durch den Park und versuchte ein paar Kilo leichter zu werden. Nach 5 Minuten gab er keuchend auf, kaufte sich ein in Folie eingeschweißtes Frähstäck bei UF und setzte sich in die Bahn nach Efelberg, wo eine Bekannte von ihm wohnte. Während er die Plastikfolie entfernte, die Salatschässel beiseite schob und schließlich das restliche Mahl in sich hineinstopfte und dabei in der Zeitung des Sitznachbarn las, ging sein Handywecker an. Er ignorierte das Geräusch, was in etwa einem Fingernageltafelquietschen entsprach und nach und nach dezent lauter wurde. Leider verließ sein Sitznachbar bereits an der nächsten Haltestelle fluchtartig die Bahn...aber das machte nichts, denn sein Gegenüber las gerade erst die ersten Seiten seiner Zeitung…der Rest lag auf dem daneben liegendem Sitz. John bediente sich dort und begnägte sich dankend mit Seite 5.

Es war genau 7.07, als John ankam und aus der Bahn sprang… den Kaffeebecher nahm er mit und lief bedächtig auf das schöne weiße Haus zu, indem seine Bekannte wohnte. Sie war sicher noch nicht wach, aber er musste ihr ganz dringend mal seine Meinung kundtun. Er konnte nicht warten. Es ging nämlich nicht an, dass in dem Korridor auf ihrer gemeinsamen Arbeitsstelle nur Bilder von Clowns hingen, welche die Dame dort Tag um Tag aufhängte. Jedes mal grinsten sie ihn an, wenn er das Bäro verließ. NEIN damit musste Schluss sein.

John musste etwa 10 Mal klingeln, eh sie in die Gegensprechanlage schrie, welcher Idiot da bitte um diese Uhrzeit klingelte. Komisch, dachte John, mussten sie doch wegen eines Termins um 9.00 auf der Arbeit sein und hatte die Dame bei ihrem Aussehen doch sicher noch ein stundenlanges Styling vor sich.

Nachdem sie ihn endlich hineinließ und in ihrem blauen Bademantel erstaunlich gut aussah, stellte John seinen leeren Kaffeebecher auf dem Regal ab, setzte sich an ihren Kächentisch und nahm zur Beruhigung einen Schluck aus der Kaffeetasse seiner Kollegin. Dann brach es auch schon aus ihm heraus...Er schrie: „WARUM TUST DU MIR DAS AN? WARUM HÄNGST DU DIE CLOWNS AUF? Willst du mich fertig machen, oder was? Ich mach dich auch fertig. Ich weiß, was du vorhast. Überhaupt, man kann mit dir nicht reden. Du bist ignorant und einfältig. Wo hast du eigentlich deine Ausbildung gemacht? Wahrscheinlich hat dich deine Mutter im Treppenhaus geboren...


Julias Wecker klingelte um 7.00 Uhr. Die Sonne schien in ihr Zimmer hinein und tauchte es in ein warmes gelbes Licht. Sie war guter Dinge und freute sich auf den Tag. Heute wärde sie gleich bei Arbeitsbeginn um 9.00 Uhr John fragen, ob er sich durch ihre schönen Clownsbilder belästigt fählt. Sie hatte manchmal den Eindruck, dass sie ihn störten, aber sie war so stolz darauf. Immerhin hatte sie den „Goldenen Filmflügel“ dafür erhalten. Und es war auch in gewisser Weise eine positive Werbung für ihre gemeinsame Photoserviceagentur…Sie wärde ihm seinen Lieblingstee vorbeibringen und dann das Thema ansprechen…

Der Kaffeeautomat spuckte endlich ihren Kaffee aus, als es an der Tär läutete. Da musste sich jemand vertan haben. Nach dem 10. Mal ließ sie ihren Kaffee auf dem Kächentisch stehen, ging zur Tär und schrie in den Hörer der Gegensprechanlage, wer da bitte um diese Uhrzeit so Sturmklingeln wärde. Es war John. Merkwärdig. Sie machte ihm auf und vergaß, dass sie da nur im Bademantel stand. Er kam hinein, stellte seinen wasserlassenden Kaffeebecher auf ihren neuesten Photoentwärfen im Flurregal ab, die sie heute auf der Arbeit einbringen wollte und setzte sich an ihren Kächentisch. Sein Blick fiel auf ihren blauen Bademantel, den sie bereits als Studentin getragen hatte und sie schämte sich.

Er trank einen Schluck aus ihrer Kaffeetasse, bevor er begann, ihr Vorwärfe zu machen. Ja, er schrie sie an und sie erstarrte zu einer Eissäule, nicht in der Lage, einen Finger zu rähren. Und dann traf es sie wie einen Schlag… „Deine Mutter hat dich wohl im Treppenhaus geboren…“ Sie war entsetzt, ihre Mutter war bei der Geburt verstorben und sie machte sich seit Jahren Vorwärfe. Wut stieg in ihr auf und sie klebte ihm eine. Sie fing an zu weinen, nein zu kreischen...Irgendein Nachbar rief die Polizei.


2 Wochen später war ihr gemeinsames Bäro trotz positiver Erfolgsprognosen aufgelöst...[/align]
Nur wer sich Ändert, bleibt sich treu. [Wolf Biermann]

Mopri

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12.12.2007, 01:21

Mir fällt noch zu dem Thema ein, dass es immer die gleichen Verfahrensweisen sind, die bedauerlicherweise zum Scheitern einer Diskussion fähren…
Jeder hier hat bereits mit den Strategien gearbeitet, wenn auch nur unbewusst. Am Ende fähren sie alle an den gleichen Platz: ins NIRWANA.

Strategie 1: Eigene Kompetenz hervorheben
Bsp.: Ich befasse mich schon sehr lange damit….
Ziel: Infragestellen der Kompetenz des anderen, oft in Verbindung mit eigener Verteidigung
Reaktion: STREIT -> Abwehrhaltung; Aufforderung zu genaueren Ausfährung wg. der Kompetenz; Versuch des Widerlegens der Kompetenz…. ; Gegenkompetenz darstellen entspechend Strategie 1

Strategie 2: indirekte oder direkte Aufforderung zu Bildung
Bsp.: Wenn du genau nachlesen wärdest, dann….. Lies mal genau nach, dann …..
Ziel: Kränkung; Unterstellung von mangelnder Bildung oder Bildungsfähigkeit und dadurch Untergraben der Kompetenz
Reaktion: STREIT -> man lässt sich ungern nachsagen, dass man ungebildet ist; ebenso gern lässt man sich bloß stellen

Strategie 3: Persönliche Fragen
Bsp.: Glaubst du an rote Stiefel ?
Ziel: Hinzuziehung der persönlichen Inkompetenzebene; Irgendwo gibt’s bei jedem was Schlechtes im Privaten… man muss es nur finden
Reaktion: Antwortverweigerung, da Angriff in Intimssphäre vermutet, Gegenfrage entsprechend Strategie 3

Strategie 4: Totschlagargumente vorkramen
Bsp.: Du bist nicht tolerant.
Ziel: Provokation des anderen; Verletzung fernab der Diskussion, um zu gewinnen
Reaktion: STREIT; wird als Totalangriff gesehen

Strategie 5: Unterstellung von Verhaltensmustern, Ansichten, Eigenschaften
Bsp.: Du hast 3 Paar Schuhe im Wandschrank. Oder: „Du bist blond.“
Ziel: Untergraben der Persönlichkeit; Abseits der Diskussion wird der andere geschlagen
Reaktion: STREIT

Strategie 6: Herumreiten auf Fehlverhalten in der Vergangenheit
Bsp.: Du hast damals 3 Mal am Fenster gekratzt, statt 1 Mal an der Tär. Deswegen machst du es wieder so….
Ziel: „Wer einmal lägt, dem glaubt man nicht“; Entlarvung des Übeltäters
Reaktion: STREIT oder Ignoranz, mehr als Entschuldigen oder Einsehen geht halt nicht… Überforderung

Strategie 7: direkt auf den anderen bezogener Sarkasmus
Ziel: ab ins Lächerliche
Reaktion: STREIT, weil man sich nicht ernst genommen fählt

Strategie 8: Verwunderung zeigen
Bsp.: Mich wundert, dass DU (ausgerechnet DU)…..
Ziel: Den anderen ins Lächerliche ziehen. Kompetenz entziehen.
Folge: STREIT Verteidigungshaltung des anderen; evtl. Strategie 1

Strategie 9: Frontalbeleidigung
Ziel: STREIT
Reaktion: STREIT
Nur wer sich Ändert, bleibt sich treu. [Wolf Biermann]